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Über
die sogenannten Un - Kräuter
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Längst haben wir Brennesseln
und viele andere Wildkräuter aus unseren gepflegten Gärten verbannt. Gleichzeitig
beklagen wir vielleicht das Verschwinderinnern uns wehmütig an frühere Zeiten, da
farbenprächtige Sommeen unzähliger Schmetterlingsarten und rvögel über Wiesen
flatterten. |
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| Das eine hat mit
dem andern zu tun: Schmetterlinge können nämlich nicht wählen, bei welchen Pflanzen sie
ihre Eier ablegen und die daraus schlüpfenden Raupen sich sattfressen können. Die
meisten Schmetterlingsarten sind auf Gedeih und Verderb auf eine oder wenige, ganz
bestimmte Futterpflanzen angewiesen. Das heisst, verschwinden diese Pflanzenarten, dann
die auf sie fixierten" Schmetterlinge ebenfalls. Oben erwähnte Brennessel ist
die Wirtspflanze von 35 bis 40 Schmetterlingsarten, wie z.B. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs,
Admiral, Landkärtchen. |
| Folgende
bekannte Unkräuter" sind ebenfalls Nahrungsgrundlage für Raupen der
Schmetterlinge und Falter: |
Pflanze, deutscher Name
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lateinischer Name
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Anzahl abhängiger
Schmetterlinge:
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| Gemeiner Löwenzahn |
Taraxum officinale |
41 |
| Wegerich |
Plantago-Arten |
48 |
| Weisser Honigklee |
Meliotus alba |
8 |
| Acker-Kratzdistel |
Cirsium arvense |
8-10 |
| Brombeere |
Rubus-Arten |
35 |
| Beifuss, Wermuth, Rainfarn |
Artemisia-Arten |
35 |
Labkraut |
Galium-Arten |
42 |
| Kreuzkraut |
Senecio-Arten |
11 |
| Verschiedene Veilchen |
Viola-Arten |
16 |
| Kriechende Quecke (eine
Grasart) |
Agropyron repens |
13 |
| Verschiedene Gräser |
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53 |
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Nun mögen ja
noch einige für Schmetterlinge und deren Raupen relevante Kräuter und Gräser auf den
landwirtschaftlich genutzten Wiesen gedeihen. Leider wirkt sich dies geradezu
verhängnisvoll aus: einerseits werden diese Wiesen viel zu früh geschnitten, die Raupen
haben ihre Entwicklung zu Schmetterlingen noch nicht beendet. Andererseits sind die Wiesen
oft stark gedüngt, was sich auf die chemische Struktur der Pflanzen auswirkt: diese sind
für die Raupen schlicht ungeniessbar, was aber die Schmetterlinge bei der Eiablage nicht
wissen können! |
| Vielleicht ein
Grund mehr, unsere natürlich vorkommenden Kräuter zu achten und beachten und ihnen auf
Balkon oder Garten ein Plätzchen zum Gedeihen einzuräumen? |
| Schon Horaz, Ovid
und Catull hätten die Brennessel besungen, steht im eben erschienen Büchlein A.
Vogels Heil- und Küchenkräuter" von Ingrid Schindler. Hier werden die Inhaltsstoffe
dieser heilkräftigen Pflanze aufgezählt: Eisen, Kalzium, Vitamine A und C,
Mineralsalze, Spurenelemente, Chlorophyll sowie Gerbsäure in Wurzel und Samen. |
| Der bekannte
Kräuterpfarrer Johann Künzle charakterisierte in seinem Büchlein Chrut und
Uchrut" aus dem Jahre 1911 die Brennessel als ruchen Cholderi", von
jedermann gekannt. Alles an ihr sei heilsam, von der Wurzel bis zu den Samen. Das Kraut,
tüchtig in Wasser gesotten, reinige sicher Lunge und Gedärme und mit Wegerich und
Wacholder zubereitet, heile es alle Magen- und Darmgeschwüre. |
| Diese reinigende
Wirkung des Magens und der Gedärme der Brennessel erwähnte bereits Hildegard von
Bingen (1098 - 1179). Sie riet, die jungen Blätter den Gerichten beim Kochen
beizugeben. Hildegard kannte darüber hinaus ein Gedächtnisöl, welches ebenfalls aus der
heilkräftigen Brennessel (zerstossene Blätter in Olivenöl) hergestellt und äusserlich
angewandt wird (oft auf Brust und Schläfen einreiben"). |
| Bei der
Kräuterheilerin Maria Treben nimmt die Brennessel eine zentrale Bedeutung ein.
Unzählige Krankheiten, von Ekzemen bis bestimmten Krebsarten, sollen mit diesem Kraut
geheilt werden können. Hier eine bewährte Mischung: drei Teile Ringelblumen, je einen
Teil Schachtelhalm, Brennessel und Schafgarbe mit kochendem Wasser überbrühen, zwei bis
drei Tassen pro Tag trinken, wirkt sicher bei Hautunreinigkeiten und heilt leichte
Blasenerkrankungen. |
| Sogar in der Homöopathie
wird die Brennessel erfolgreich angewandt. Hier bei brennden Hautausschlägen,
insbesondere wenn diese von Gelenkschmerzen begleitet sind. |
| Biologische
Gärtner verzichten sicherlich nicht auf unsere Wildkräuter wie Brennessel,
Ackerschachtelhalm, Rainfarn, Farnkraut, Löwenzahn und viele andere mehr. Aus diesen
lassen sich insekten- und pilzabwehrende, pflanzenstärkende und düngende Brühen
zubereiten. |
Wir alle hätten
es in der Hand: einige Unkräuter nicht ausmerzen, vielleicht einen kleinen Teil des
Gartens zum Brachland erklären, und in den so entstehenden Oasen einheimischer Kräuter
würde eine Vielfalt von Kleintieren und damit auch Schmetterlinge einziehen! |
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