Home
Nach oben
Umwelt Forum Wettswil

Aktuell
Fassreinigung Amstutz
20 Jahre nach dem Bericht "Biel"
Autobahn
Landwirtschaft
Golfplatz Stierenmas
Wettbewerb
Erholungsraum Ebene?
Halle für alle
Grüngut
Natur im Siedlungsraum
Werden Sie Mitglied
Links
Statuten

 

 

 

© Tages-Anzeiger; 2000-04-06; Seite 87

Reisen

Golf Spezial

"Golf privatisiert riesige Erholungsgebiete"

Nur wenige Golfplätze genügen ökologischen Anforderungen. Die Landschaft wird in Freizeitparks verwandelt.

Mit Raimund Rodewald sprach Rosmarie Waldner

Was stört Sie als Landschaftsschützer am Golfspiel?

Es ist wie mit dem Wolf im Schafpelz. Vordergründig erfreuen Golfplätze das Auge wie gepflegte Parks. Doch wenn man genau hinschaut, haben sie enorme Veränderungen der Landschaft verursacht. Beim Bau von Golfplätzen werden in der Regel riesige Mengen von Erde verschoben. Aus einem flachen Gelände wird zum Beispiel eine Hügellandschaft gemacht, oder es werden umgekehrt ganze Bodenschichten abgetragen. Und dies auf grossen Flächen von 50 bis 100 Hektaren. Aus der ursprünglichen Landschaft entstehen künstlich gestaltete Freizeit- und Vergnügungsanlagen.

Auch die intensive Landwirtschaft hat die alte Kulturlandschaft geradezu ausgeräumt. Ist da ein Golfplatz keine bessere Alternative?

Die Golfplätze schiessen wie Pilze aus dem Boden. Die Schweiz hat im Vergleich mit den Nachbarstaaten mit über 55 Plätzen die höchste Golfdichte pro Landfläche. Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) hat 1995 eine Wegleitung für Golfplätze erarbeitet, aber sie kam hoffnungslos zu spät. Für Golfplätze gibt es oft keine kantonale Richtplanung, eine Ausnahme ist der Kanton Tessin. In einer überregionalen Standortplanung müsste festlegt sein, wie viele Golfplätze tolerierbar sind und welche Kriterien für die Flächenauswahl gelten sollen. Stattdessen ist die Entwicklung ganz dem Markt überlassen, und es herrscht ein eigentlicher Wildwuchs. Dies trifft namentlich zu für Projekte in den Kantonen Bern und Zürich. Überdies sind nach dem Gesetz eigentlich Waldrodungen ausgeschlossen, doch diesem Gebot wird mitnichten nachgelebt, vor allem nicht im Berggebiet.

Ein anderer Aspekt ist die Belastung der Böden mit Dünger und Spritzmitteln. Wie schneiden die Golfplätze ab?

Es kommt eben darauf an, was vorher war. Bei einer extensiven Vornutzung im Berggebiet, etwa einer Weide, fällt der Vergleich für den Golfplatz meistens negativ aus. Im Unterland kann er eher positiv aussehen, jedenfalls dort, wo intensiv bewirtschaftet wurde. Sicher sind die Architekten und Pfleger von Golfplätzen heute in dieser Hinsicht sensibilisierter als früher. Aber es gibt immer noch Golfplatzerbauer, die sich an den Vereinigten Staaten oder Grossbritannien orientieren mit ihren hochsterilen Rasen. Man darf auch nicht vergessen, dass sich die Landwirtschaft ändert. Die Agrarpolitik 2002 sieht generell eine ökologischere Bewirtschaftung vor. Die Alternative zur Intensivlandwirtschaft ist doch nicht der Golfplatz, sondern der Biolandbau oder die Integrierte Produktion.

Gewinnt die Natur überhaupt nicht dazu bei einem Golfplatz?

Sicher nicht, wenn wie zum Beispiel im bernischen Saanenmöser schönste Flachmoore voller Orchideen geopfert werden. Schlechte Beispiele gibt es viele, was die Artenvielfalt betrifft, aber auch einige gute. Der Migros-Golfplatz in Risch ZG oder der alte Platz Maran in Arosa gehören dazu. Neben zwei Dritteln für Greens und Fairways sollte nach der Wegleitung des Buwal ein Drittel unberührte Natur verbleiben. Allerdings wird diese meistens nicht nach ihren Bedürfnissen belassen, sondern dort, wo sie das Golfspiel nicht stört.

Schöne Rasen brauchen Bewässerung, wenn es nicht genügend regnet. Verschärfen Golfplätze die Wasserknappheit?

Der Golfbetrieb verbraucht enorm viel Wasser. In südlichen Ländern, auch im Mittelmeerraum, im Süden der Vereinigten Staaten oder bei uns in den inneren Alpen ist dies ein ernsthaftes Problem. Und denken Sie erst an die Golfplätze in Ägypten, Indien oder gar Saudiarabien! Für den perfekten Rasen verschleudert man eine knappe Ressource auf unglaubliche Art, und dies zu Lasten der lokalen Bevölkerung. In vielen Ländern kommt noch das Problem der Landnahme dazu. Oft geht es sehr undemokratisch zu, wird den Bauern das Land buchstäblich weggenommen.

Bei uns kann die Bevölkerung aber

mitreden.

Die Landschaft ist ein öffentliches Gut und sollte nach Verfassung allen zugänglich sein. Golf jedoch privatisiert riesige Flächen, man kommt zumeist nur über Eintritte hinein. Besonders in den Ballungszentren wird die Bevölkerung ihrer stadtnahen Erholungsgebiete beraubt. Dieser Konflikt ist Grund für viele, Golfprojekte abzulehnen. Die Umwandlung von Landschaft in riesige Freizeitanlagen - manchmal mit Disneyland-Charakter - bedeutet auch einen kulturellen Verlust.

Raimund Rodewald (40), Dr. biol., ist seit 1990 in der Stiftung für Landschaftsschutz Schweiz (SL) tätig (seit 1992 Geschäftsführer). Er hat sich intensiv mit Golfplätzen befasst, auch als Beschwerdeführer, und viel über die Problematik publiziert.

BILD PD

R. Rodewald.

 

 Kontakt: info@ufw.ch
design berger-online