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Umwelt Forum Wettswil

 

 

 

 

Das ist unsere Stellungnahme zur Mehrzweckhalle Moosstrasse  zuhanden der  Gemeindebehörde Wettswil.


Einleitung

1.Brauchen wir überhaupt eine Sport und Mehrzweckhalle? (Bedürfnisnachweis)

2. Infragestellung des Standortes

2.1. Luftschadstoffbelastung wegen Inversionen und Verkehr

2.2. Richtplanverträglichkeit

2.4. Erhaltung des „Erholungsgebietes" in der Ebene

3. Einwendungen und Anregungen bei Verbleib an diesem Standort


Vernehmlassung Vorprojektstudie Sport- / Mehrzweckhalle

Einleitung

Obwohl Sie in der Vernehmlassung zur Sport- oder Mehrzweckhalle primär Äusserungen zu den beiden Layoutstudien erwarten, erlauben wir uns - unter Punkt 1 und 2 - Fragen grundsätzlicher Art zu stellen. Die Zweckbestimmung des Umwelt Forums Wettswil ist, sich für umweltgerechtes und ökologisches Handeln und Planen zum Wohle der jetzigen wie auch der zukünftigen Einwohner/innen von Wettswil einzusetzen im Sinne einer nachhaltigen Erhaltung und Förderung der Lebensqualität in unserer näheren Region. Dieser Verpflichtung kommen wir hiermit nach.UARROW.GIF (1147 Byte)

1. Brauchen wir überhaupt eine Sport- und Mehrzweckhalle? (Bedürfnisnachweis)

1.1. Ein Bedürfnisnachweis ist bis heute nicht erbracht. Die Aussage von Herrn Bertschi, es stünde im Kanton Zürich keine Halle leer, ist nicht Nachweis genug. Zudem gibt es bereits heute ein Angebot von Mehrfachturnhallen sowie Mehrzweckhallen in der Region. Beispielsweise 3-fach Halle in Birmensdorf, Mehrzweckhalle Zendenfrei in Obfelden, Mehrzweckhalle Spitzacker Urdorf, 3-fach Halle Waldmann in Baar u.v.a.m. Hier stellt sich die Frage, ob unsere Gemeinde nicht in Zusammenarbeit mit weiteren interessierten Gemeinden der Region und mit Kostenbeteiligung beim späterer Planen und Bauen die Bedürfnisfrage regional abklären sollte.

1.2. Um die zentralörtliche Funktion von Affoltern, unserem Bezirkshauptort, zu fördern, würden wir für eine grosse Halle eher einen Standort in Affoltern a.A. begrüssen. In einem ersten Schritt und um einem allfälligen Kapazitätsdefizit zu begegnen, sollten die dezentralen Möglichkeiten bereits genutzter und mit Ausbaukapazität versehener Hallen (beispielsweise Wolfetsloh) ausgeschöpft werden. Dies aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht nur in unserer Gemeinde, sondern im ganzen Bezirk. UARROW.GIF (1147 Byte)                                                                                  

2. Infragestellung des Standortes

2.1. Luftschadstoffbelastung wegen Inversionen und Verkehr

Wie die Messungen der Firma ökoscience im Winter 1998/99 und im Sommer 1999 aufgezeigt haben, entstehen im Becken von Wettswil und Bonstetten oft täglich Inversionen. Im Dezember 1998 betrug der Inversionsanteil gar 88% (in der Nacht 94%); im Sommer immer noch 24% - ein Viertel des Tages! Luftschadstoffe reichern sich in Inversionen an, da es keinen vertikalen Luftaustausch zu „saubereren" Luftschichten gibt. Nun können innerhalb von Inversionen wiederum Inversionen entstehen. Dieses Phänomen ist ausgerechnet beim Sportplatz Wettswil der Fall: „Ein sehr kleiner Kalluftsee (innerhalb der Inversion, Anmerkung durch uns) wurde beim Sportplatz Wettswil während klaren Nächten (grosse nächtliche Abstrahlung) festgestellt, wo es deutlich kälter als beim Bahnhof war." (Bericht ökoscience, Lufthygiene und Inversionen im Gemeindegebiet von Bonstetten und Wettswil, Winter 98/99 Seite 24).

Bei Inbetriebnahme der Autobahn wird es in Talbodennähe zu grössten Schadstoffbelastungen kommen. Im Winterhalbjahr entstehen Inversionen am späten Nachmittag (falls sich diese überhaupt tagsüber aufgelöst haben) und dauern bis zum Mittag des folgenden Tages. Die Luftschadstoffe des Abendverkehrs bleiben folglich vollumfänglich in der kalten Luft gefangen. „Besonders kritisch sind diejenigen Wetterlagen mit Inversionen am Nachmittag, bei welchen die Schadstoffe der Abendverkehrsspitze akkumulieren. Diese hohen Schadstoffkonzentrationen bleiben in der Inversionsschicht gefangen und über Nacht bis zur Auflösung der Inversion immissionswirksam." ... „So konnte für die Standorte Härkingen (NABEL-Station exponiert zur N1) und Altdorf Gross Ei (Immissionsmessstation exponiert zur N2) gezeigt werden, dass in den Nachtstunden (im Jahresmittel) pro emittierter Schadstoffmenge (wegen der reduzierten atmosphärischen Ausbreitungsbedingungen) etwa die 6-fache Immissionsbelastung resultiert." (Hervorhebung durch uns, Kommentar ökoscience zu den Beilagen 11, 13 und 16 z.Hd. Bundesgericht, Juli 2000)

Folglich muss erwartet werden, dass es beim geplanten Standort der Sport- und Mehrzweckhalle zu allergrössten, gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffanreicherungen kommen wird. Die Sport- und Mehrzweckhalle ist an einem – aus lufthygienischer Betrachtung - bedenklichen Ort geplant. Sporttreibende Menschen und vor allem Kinder müssen von uns allen vor diesen Belastungen geschützt werden. Aus diesem Grund ist ein neuer Standort für das Projekt zu suchen.

Falls langfristig ein zusätzliches Oberstufen-Schulhaus in der Nähe der Sportanlagen geplant ist, was wegen der besseren Ausnutzung der Halle sehr zu begrüssen wäre, muss aus lufthygienischer Betrachtung um so mehr nach einer besseren Standortlösung gesucht werden!  UARROW.GIF (1147 Byte)

 

2.2. Richtplanverträglichkeit

Der Standort an der Moosstrasse befindet sich im regionalen Landwirtschaftsgebiet, überlagert mit Landschaftsförderungsgebiet. „Es kann nicht verkannt werden, dass im Rahmen der Raumplanung die gesellschaftliche Auseinandersetzung stattgefunden hat betreffend Funktion, Lage und Grösse der Landwirtschaftszone. Eine partielle Aufhebung dieser Ordnung durch lokale, individuelle Sonderinteressen ist jedenfalls an strenge Kriterien zu binden." (aus ZUP, 4 2000, Seite 52) Solche partiellen Umzonungen von Landwirtschaftsgebiet unterlaufen obige Zielsetzung eines nachhaltigen Schutzes des Landwirtschaftsgebietes.

2.3. Weitgehende Erhaltung der bestehenden Beckenlandschaft/Beeinträchtigung des Landschaftsbildes

Durch den Autobahnbau wurde die natürliche Landschaft bereits zu einem Grossteil zerstört. Der jetzt in der organisch gewachsenen Ebene verbleibende Landschaftsraum wirkt jedoch noch grosszügig - und der Ausblick auf ihn – beruhigend, weil er weitgehend gleichförmig ist. Dies gilt es zu bewahren. Für die Lebensqualität aller sollte der Landschaftsraum westlich der Bahnlinie nicht überbaut werden. Im Gegenteil. Der unter 2.2 erwähnte Auftrag, dass dieses Gebiet „Landschaftsförderungsgebiet" sei, ist Ernst zu nehmen. Die Gemeinde sollte Mittel auch für diesen Zweck bereitstellen.

2.4. Erhaltung des „Erholungsgebietes" in der Ebene

Die vorhandenen Wege inkl. Flurwege werden als Erholungsraum für alle –spazieren, Velo fahren, joggen, reiten- rege wahrgenommen. Durch mehr Überbauungen wird dieser Erholungsraum zunehmend unattraktiv. Um den immer knapperen Grünraum zu schützen, muss der Siedlungsraum als solcher kompakt bleiben. Der Bau des Projektes am jetzt geplanten Standort führt zu einer Ausufererung der Agglomeration und wird zu einem Präjudiz für eine Siedlungsentwicklung in die falsche Richtung.                                                                      UARROW.GIF (1147 Byte)


Aus den obigen Gründen schlagen wir vor, einen neuen Standort abzuklären, unter Beizug eines renommierten Landschafts- und Gestaltungsplaners. Dieser Standort müsste im Zusammenhang mit anderen zukünftig notwendigen öffentlichen Gebäuden/Projekten, beispielsweise zusätzlichen Schulhäusern, in einer Gesamtschau der Entwicklung von Wettswil und näherer Umgebung erfolgen.                                                                                        


3. Einwendungen und Anregungen bei Verbleib an diesem Standort

3.1. Hinzuzug eines Baubiologen ev. durch den Dachverband SIB (Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie und Bauökonomie, Zürich) mit dem Ziel, beim Projekt baubiologische und ökologische Zielsetzungen zu verwirklichen. Beispielsweise leiden immer mehr Menschen an Allergien, welche durch Farben, Kunsstoffe etc. ausgelöst werden.

3.2. Begrünung des Daches: Damit das Gebäude wenigstens von Weitem bestmöglichst in die Landschaft integriert aussieht, schlagen wir eine Dachbegrünung vor. Wir verweisen hier auf die Aussicht vom Uetliberg aufs Albisgütli, wo die Dächer der Credit-Suisse begrünt sind und so die Illusion vermitteln, die Grünfläche dehne sich weiter aus.

3.3. Alternative Heizung: Die verschiedenen Möglichkeiten für ökologische Heizsysteme, welche uns heute zur Verfügung stehen, sollen gründlich geprüft werden.

3.4. Parkplatzreduktion: Zwecks Reduktion des grossen Platzbedarfes soll die Parkplatzplanung zusammen mit der Driving-Range und der Golfplatzanlage erfolgen resp. optimiert werden. Die „Golfer" werden vor allem tagsüber viel Parkplatz benötigen, die Halle wird vermutlich vor allem am Abend genutzt werden. Zudem stehen noch die Parkplätze des Fussballplatzes (für Grossanlässe tagsüber) zur Verfügung.

3.5. Parkplatzbelag: Kein versiegelter Parkplatz (Rasensteine, Kiesfläche, Sickersteine etc.)

3.6 Naturnahe Umgebungsgestaltung: ökologisch und ökonomisch beste Variante, ev. unter Beizug der Fachleute des örtlichen Natur- und Vogelschutzvereines.UARROW.GIF (1147 Byte)


Wir hoffen, Ihnen mit unserer Stellungnahme und unseren Anregungen gedient zu haben. Wir wünschen im Interesse aller Einwohner/innen unserer Gemeinde und des Bezirks Affoltern, dass, falls eine Mehrzweckhalle im Bezirk tatsächlich benötigt und gebaut wird, auch sämtliche gesamt-planerischen sowie ökologischen und baubiologischen Faktoren berücksichtigt werden.

Für Ihr Gehör danken wir Ihnen und verbleiben mit freundlichen Grüssen

für den Vorstand: Verena Berger, Präsidentin, 14. Januar 2001                                             

 

 Kontakt: info@ufw.ch
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