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Geruchsbelästigungen und (k)ein Ende?

Seit bereits 10 Jahren hat sich das Umwelt Forum Wettswil in ungezählten Aktionen für eine zügige Sanierung der Fassreinigungs- und Farbspritzanlage der Firma Amstutz eingesetzt. Zeichnet sich jetzt - mit einer erneuten Verfügung des Kantons - endlich eine definitive Lösung ab?

Wer in Wettswil und Bonstetten wohnt, kennt die penetrant süsslichen Gerüche, welche uns immer wieder die Freude am Draussen-Sein vergällen. Die Verursacherin dieser Geruchsbelästigungen ist die Fassreinigung Amstutz, angesiedelt an der Moosstrasse in der Ebene von Wettswil. Was seit Jahren zu denken gibt: Viele Personen leiden im Zusammenhang mit dem Auftreten der Geruchsimmissionen an starken körperlichen Symptomen wie beispielsweise Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Seit letztem Sommer war und ist es besonders schlimm: Die üblen Gerüche sind beinahe täglich zu riechen und wiederum besonders stark und unangenehm. So wurde auch das Umwelt Forum – für viele eine Anlaufstelle in dieser Angelegenheit – förmlich mit Telefonaten überschwemmt.

Nun hat der Kanton im Dezember 2001 eine neue Verfügung erlassen, welche vorsieht, dass die Fassreinigung bis 16. Dezember 2002 so saniert sein soll, dass die Grenzwerte der Luftreinhaltung eingehalten werden. Sollte dies nicht der Fall sein, kommen weitere Massnahmen - Betriebseinschränkungen bis Betriebsstillegung - zum Zug, mit dem Ziel, dass die Grenzwerte spätestens ab 1. März 2003 eingehalten werden.

In zwei Punkten könne wir der neuen Verfügung etwas Positives abgewinnen: Erstmalig wurden nämlich die Grenzwerte für „Geruchseinheiten" und jene für die sogenannte Stoffklasse I mit einbezogen, was bedeutet, dass die Geruchsbelästigungen und die körperlichen Beschwerden der Bevölkerung nach über 15 Jahren Leidenszeit endlich ernst genommen werden. Ausserdem wurde einem unhaltbaren Zustand ohne Ende endlich ein Riegel vorgeschoben: Die Fassreinigung hätte nämlich bereits im Juni 1997 saniert sein sollen! Mit einer vollendeten Sanierung wären die Grenzwerte der Luftreinhaltung eingehalten worden, was sicher zu einer drastischen Verbesserung der Geruchsimmissionen und vor allem der damit einhergehenden körperlichen Beschwerden der betroffenen Personen geführt hätte.

Weil jedoch der Betrieb weiterhin die gesetzlichen Grenzwerte nicht einhielt resp. die Sanierung ungenügend blieb, versuchte das kantonale Amt auf anderem Wege zum Ziel zu kommen. Es verbot dem Betrieb, nach dem 12. März 1998 jene Fässer entgegenzunehmen (!), zu waschen und wiederzuverwerten, welche aus der Aromen- und Riechindustrie stammen, sowie Fässer, welche die giftigsten Lösungsmittel enthielten (sogenannte Stoffklasse I, welche nebst vielen anderen vor allem hochgiftige Chlorverbindungen umfassen).

Dass diese Anordnungen wiederum nicht eingehalten wurden und werden, können wir seither an den weiter andauernden Geruchsbelästigungen feststellen. Dem Umwelt Forum sind nun auch Messresultate bekannt, welche aufzeigen, dass die Grenzwerte für die Stoffklasse I wiederholt bis zum Siebenfachen überschritten wurden.

Ohne die neue Verfügung – die nicht zuletzt auf unser hartnäckiges Intervenieren auch beim BUWAL zustande kam - würde dieser Zustand wohl noch weitere Jahre andauern. Doch trotz des neuen Endtermins für die Sanierung macht sich bei uns keine Erleichterung oder gar ein Aufatmen breit. Zu lang ist die Reihe der vom Kanton seit 1985 immer wieder gewährten Fristerstreckungen oder sogenannten „Wiedererwägungen".

Viel gravierender jedoch ist die Tatsache, dass der Bevölkerung – und hier denken wir vor allem an die Kinder, die Kranken, die Schwangeren und an die älteren Menschen - nun noch einmal zwei Winter zugemutet werden. Sie wissen ja: In Wettswil und Bonstetten bilden sich vor allem im Winter oft lange andauernde Kaltluftseen. Im Bereich der kalten Luft, welche in der Geländekammer richtiggehend gefangen und liegen bleibt, reichern sich die Luftschadstoffe an, weil ein Luftaustausch in vertikaler Richtung mit saubererer Luft praktisch nicht stattfindet. Daher sind wir enttäuscht, dass der Kanton nicht bereits heute weitergehende Massnahme ergreift, welche gewährleisten, dass bereits in diesem Winter keine Grenzwertverletzungen mehr auftreten.

Verena Berger
Präsidentin Umwelt Forum Wettswil
Wettswil, 8. Januar 2002

 

 Kontakt: info@ufw.ch
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