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Was
hat ein offener
Kühlschrank
mit dem
Bahnhof Bonstetten
und den
zukünftigen Schadstoffen in unsererer
Atemluft
durch die Autobahn gemeinsam
?


Anno domini,  Juli 1998
Als wir dieses Frühjahr die Akte „Umweltverträglichkeitsbericht – Luft" zur N4 im Tiefbauamt des Kantons Zürich durchstöberten, hätten wir eigentlich erleichtert aufatmen können,
denn:
Einstmals, wenn alle Autobahnteilstücke in Betrieb genommen worden sind, also Aeschertunnel, Verkehrsdreieck Fildern, Uetlibergtunnel, Ein- und Ausfahrten von und nach Wettswil, das kleine Teilstück der N4 von Fildern bis zum Islisbergtunnel und schlussendlich auch letzterer selbst,
wird die Atemluft in Wettswil besser sein als heutzutage!
So sehen die Zukunftsprognosen des Umweltverträglichkeitsberichtes aus. Dies, obwohl im gleichen Bericht erwähnt wird, dass es sowohl im Gebiet Fildern als auch bei den Tunnelportalen zu massiven Grenzwertüberschreitungen kommen wird.
Sie haben da Ihre Zweifel? Wir auch.
Sicher sind Sie auch schon einmal vor einem offenen Kühlschrank gestanden. Und wo haben Sie Kälte empfunden? Richtig, an den Füssen und Beinen. Kalte Luft ist schwerer als warme und fällt so gewissermassen aus dem Kühlschrank heraus.
Nacht für Nacht kühlt sich die Luft im Freien ab und fliesst zum tiefsten Punkt. Bei uns hier in Wettswil ist dies die „Ebene", welche sich vom alten Bonstetten bis zur heutigen Grossbaustelle der Autobahn erstreckt. Dieses Phänomen heisst Kaltluftsee oder lokale Inversionslage. Im Winterhalbjahr sind solche lokale Inversionen wesentlich ausgeprägter. Der Kaltluftsee, welcher sich dann ansammelt, wird durch den Nebel, der sich in der kühleren Luft bilden kann, deutlich sichtbar. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Bahnhof Bonstetten Bahnhof Bonstetten einer der kältesten Orte des ganzen Kantons Zürich ist!
In diesem Kaltluftsee gibt es weder einen senkrechten noch einen waagrechten Luftaustausch. In der Vertikalen verhindert die darüberliegende wärmere Luftschicht, dass die kalte Luft entweichen könnte. In der Horizontalen bilden die natürlichen Hügel eine wirksame Sperre nach allen Seiten hin. Erst eine Erwärmung des Bodens oder heftige Winde bringen bei bestehendem Kaltluftsee eine Luftzirkulation und somit einen Luftaustausch zustande.
Mit der kalten Luft bleiben auch alle Schadstoffe aus Heizungen, Industrie und Verkehr „gefangen" und reichern sich so an. Nicht von ungefähr treten auch die bekannten Wettswiler Geruchsprobleme deshalb bevorzugt im Winterhalbjahr auf.
Der Umweltverträglichkeitsbericht ist nun genau auf diese Problematik der lokalen Inversionslagen nicht eingegangen. Wörtlich heisst es: „Lokale Messungen über Inversionshäufigkeiten, -dauern, -stärken oder –schichtdicken liegen nicht vor." Dies obwohl das Pflichtenheft zur Umweltverträglichkeitsprüfung vorschreibt, dass die lokalen topographischen und meteorologischen Gegebenheiten mitberücksichtigt werden müssen.
Aus Windmessungen hätten die Ersteller dieser Luftstudie eigentlich deutliche Hinweise auf lokale Inversionen gehabt: kleine Windgeschwindigkeiten und häufige Windstillen. Ein anderes Indiz wurde ebenfalls nicht mit dem Phänomen der Kaltluftseen in Verbindung gebracht: Kontrollmessungen neben dem Fussballplatz ergaben um 67 % höhere Werte, als nach den Berechnungen eigentlich zu erwarten war!
Nun gibt es eine ausführliche Studie aus dem Kanton Uri über Schadstoffausbreitung und -anreicherung in lokalen Inversionslagen: „Es zeigt sich, dass eine schlechte horizontale und vertikale Durchlüftung einen ähnlich grossen Einfluss auf die Immissionen hat wie der Verkehr selbst."
Aus einem weiteren Grund sind die Luftberechnungen im Umweltverträglichkeitsbericht mehr als fragwürdig: Der Lastwagenanteil am Gesamtverkehr wurde mit 9 % zu klein veranschlagt. Die gute Ausrede: „Mit der Umsetzung der Alpeninitiative ist sogar eher ein tieferer Wert von 7 – 8% zu erwarten." Dass die Alpenschutzartikel der Bundesverfassung tel quel umgesetzt würden, gehört heute leider eher ins Reich der Visionen, jedoch nicht in die Prognose einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Nebenbei bemerkt beträgt im Kanton Uri der Lastwagenanteil an Werktagen bis zu 27 %.
Liebe Wettswilerinnen
und Wettswiler!
Wir trauen Ihnen zu, dass Sie sich Ihre eigenen Gedanken dazu machen.
Wir haben ebenfalls unsere Schlüsse gezogen und fordern eine saubere Schadstoffprognose. Der Regierungsrat soll sich bei seiner Bewilligung zum Bau der N4 nicht hinter einer schummrigen, ja falschen Umweltverträglichkeitsprüfung verstecken. Wir wollen eine klare Auskunft darüber, wie hoch belastet unsere zukünftige Atemluft dereinst sein wird und welches gesundheitliche Risiko wir dabei eingehen.
Ihr Vorstand Umwelt Forum Wettswil, im Juli 1998
Wir vermuteten sehr häufigen kleinräumigen Inversionen nur auf  Grund von Erfahrung durch uns Einwohner/innen, die ökoscience-Inversions-Messungen begannen erst im Dezember 1998!
 

 Kontakt: info@ufw.ch
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