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Kurze Stellungnahme zum Bundesgerichtsentscheid

Strassen versus Gesundheit

Wieder einmal hat das Gericht nach dem Buchstaben des Gesetzes und nicht nach dem Sinn geurteilt. Strassen haben immer noch eine zu hohe Priorität. Obwohl der Umweltschutzleitsatz in unserer Bundesverfassung fest verankert ist, räumt unser höchstes Gericht den Strassen den Vorrang ein - vor der Luftqualität und der Gesundheit der Bevölkerung.

An unserer Luftproblematik indes ändert sich nichts: durch die lokalen Inversionen bleibt die kalte Luft in unserer natürlichen Senke wie durch einen Deckel geschlossen liegen. Zwar kann Schadstoffluft einströmen, verursacht durch das Verkehrsaufkommen im Filderen-Dreieck (ca. 100'000 Fahrzeuge pro Tag war die Verkehrsprognose Ende der 80-er Jahre!), diese Schadstoffe können sich jedoch nicht mit frischer Luft aus höheren Luftschichten verdünnen. Leiden werden unter dieser schadstoffbefrachteten Luft all jene, welche keine Lobby haben: die Kinder, die älteren Leute, die Allergiker, die Kranken.

Gefragt ist ein nachhaltiges Gesamtkonzept

Ein nachhaltiges Gesamtkonzept fehlt; sowohl aus regionaler Sicht (für das Verkehrsdreieck Filderen), wie auch aus überregionaler Sicht (welche Funktion erfüllt den die N4?).

Die Gründe liegen sicher beim politischen Nicht - Wollen. Die Taktik einer etappenweisen Bauerei der Nationalstrassen ist dabei sehr effektiv. So sagt das Bundesgericht heute sinngemäss: Die grössten Luftbelastungen kommen sowieso vom Verkehr des bereits genehmigten Filderen-Dreiecks. Hierbei können wir nichts mehr tun. Eine Verlängerung des Islisbergtunnels führt nur zu unverhältnismässigen Mehrkosten.

Gesamtkonzept zum Verkehsdreieck Filderen

Die gute Nachricht gleich vorweg: Unsere ausgearbeiteten Variante III und Variante IV lassen sich jederzeit realisieren. Immer wieder werden Nationalstrassen im Nachhinein überdeckt, zur Zeit beispielsweise die A1 bei Neuenhof. Eine schlankere Autobahn, ein neues Ausfahrtskonzept, Wegfall von bestehenden Ausfahrten – dies sind keine echten Hindernisse für unsere Konzepte (vgl. Variante III und Variante IV).

Unsere Luftpetition ist immer noch hängig! Hier ist der erste Grundstein durch die Bevölkerung von Wettswil und Bonstetten gelegt - und wir vom Vorstand werden nicht locker lassen!

Überregionales Gesamtkonzept

Man muss sich einmal vor Augen halten, welche überregionale Funktion die N4 innehat: Es ist dies die Verbindung der Innerschweiz mit dem Raum Zürich. Gleichzeitig sollen dabei die Staatsstrasse durchs Knonaueramt und die Sihltalstrasse vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Viel ökonomischer löst dies der anfangs der 80er Jahre geprüfte Hirzeltunnel. Er würde die Innerschweiz via A3 mit dem Raum Zürich verbinden und unsere Strassen durchs Knonaueramt mit der gleichen Effizienz wie die N4 entlasten. Ebenfalls entlastet würde die Sihltalstrasse und zusätzlich die Hirzelpassstrasse.

Bei der Überprüfung dieser beiden Varianten durch die "Kommission Biel" vor genau 20 Jahren wurde der damaligen offen geführten N4 der Vorzug gegeben, da sie (ohne Islisbergtunnel) im Durchschnitt 2 Minuten schneller war als die Variante des Hirzeltunnels.

Wenn auch der Bundesrat in verschiedenen Stellungnahmen die "Kostenbindung" seiner Entscheide hervorhebt, muss hier klipp und klar gesagt werden: der Hirzeltunnel ist auch heute noch die kostengünstigere Variante (der Hirzel-Tunnel selber ist nicht einmal so lang wie der Islisbergtunnel).

Auch aus ökologischen Gründen müsste der Hirzeltunnel anstelle der N4 gebaut werden: Auf der ganzen Strecke der N4 durchs Knonaueramt gibt es immer wieder Muldenlagen, in welchen Schadstoffseen entstehen können. Wettswil - Bonstetten und Knonau sind nur zwei Senken, durch welche die N4 gelegt ist, bei denen die Inversionen und das Potential der Luftschadstoffanreicherungen durch Messungen belegt sind. Zudem schont die Variante durch den Hirzel nicht nur die Landschaft im Knonaueramt, sondern auch die wertvolle Hirzellandschaft.

Ganz neu verspricht nun der Bundesrat, die Hirzelvariante noch einmal zu prüfen (zusätzlich zum Bau der N4). Im Zürcher Strassen-Bauprogramm ist der Hirzeltunnel bereits eingeplant! Eine N4 mit dem Hirzeltunnel würde aber das Knonaueramt mit einem noch viel stärkeren Verkehrsaufkommen belasten. Hinzu käme nämlich der (gesamte) Verkehr Bern/Basel Richtung Chur, welcher sonst via Uetlibergtunnel auf die A3 geführt würde.

Wir meinen: Auch aus diesen Gründen muss die Frage nach einem Gesamtkonzept noch einmal öffentlich gestellt und diskutiert werden!

Zu den Kosten

Strassen kosten viel und haben eine lange Lebensdauer. Mehrkosten für Verbesserungen sollten bei den riesigen Gesamtbeträgen in Milliardenhöhe tragbar sein. Zudem sind in dieser einseitigen Rechnung die direkten und indirekten Gesundheitskosten der Bevölkerung nicht mit inbegriffen. Die zusätzlichen direkten Gesundheitskosten (Arztkosten, Medikamente etc.) schätzt ein Luftfachmann für die Bevölkerung von Wettswil und Bonstetten auf 400 Franken pro Person und Jahr. Bei einer erwarteten Bevölkerungszahl von 10'000 Personen in den beiden Gemeinden und über 40 Jahre gerechnet (Lebensdauer der Autobahnen) kommt der Betrag von 160 Millionen Franken zustande. Diesen Betrag werden wir ohnehin bezahlen - warum nicht gleich bei Verbesserungen investieren? Die zusätzlichen indirekten Gesundheitskosten, welche durch die Wirtschaft berappt werden (Erwerbsausfall etc.), sind hier noch nicht enthalten und um ein Vielfaches höher.

Verena Berger, Juli  2001
 

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