Kennen Sie Altendorf?

Ich kenne Altendorf SZ seit vorgestern aus dem Internet. In Altendorf wird heute ein Autobahnteilstück der A3 überdacht. Nach 30-jährigem unermüdlichem Einsatz der Einwohnerinnen und Einwohner sowie der Gemeindebehörde.

Und bei uns?

Sie kennen die Problematik: Kalte Luft ist schwerer als warme. Das spüren Sie an Ihren Füssen, wenn Sie vor dem offenen Kühlschrank stehen. Problematisch wird dieses Phänomen, wenn sich kalte Luft in einer Senke sammeln kann, wie dies bei uns in Wettswil und Bonstetten der Fall ist.

Problematisch insofern, weil die wärmere Luftschicht über dem Kaltluftsee verhindert, dass ein vertikaler Luftaustausch stattfinden kann. Schadstoffluft aus Heizungen, Industrie und Verkehr bleibt also in der kalten Luft gefangen und die Schadstoffe reichern sich in der Folge immer mehr an.

Prekär wird es bei uns obendrein, weil massive Verkehrsflüsse durch diese Senke führen werden: Die Verbindung West-Ost (Bern, Basel – Chur) trifft mit der Verbindung Nord – Süd (Schaffhausen, Kloten, Zürich – Innerschweiz, Gotthard, Italien) zusammen. Die Verkehrsprognosen sehen ein Aufkommen von ca. 100'000 Fahrzeugen pro Tag voraus.

Nun haben Messungen der renommierten Firma Ökoscience im Winter 1998/1999 und im Sommer 1999 gezeigt, dass sich diese Kaltluftseen oder lokalen Inversionen bei uns überaus häufig bilden. Im Januar 1999 löste sich beispielsweise ein solcher Kaltluftsee während dreier Wochen nicht auf! Die Messungen haben auch aufgezeigt, dass innerhalb von Inversionen jedoch eine horizontale Verbreitung der Schadstoffluft innert weniger Stunden erfolgt. Das bedeutet, dass wir alle in den Genuss der Autobahnabluft kommen werden, auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Bonstetten.

Dass es im Zusammenhang mit dem riesigen Verkehrsaufkommen zu massiven Anreicherungen von Luftschadstoffen führen wird, liegt auf der Hand.

Weil in der Umweltverträglichkeitsprüfung zur N4 so gut wie gar nicht mit Inversionen gerechnet wurde, forderte das Umwelt Forum anlässlich eines Rekurses im Jahre 1997 eine Korrektur dieser Prüfung.

Die Messergebnisse der Ökoscience flossen in keiner Weise in die Urteile des Verwaltungsgerichts Zürich und später Bundesgerichts ein. Vielmehr befanden diese in ihren Urteilen lediglich, dass es zu jenem Zeitpunkt zu spät für Luftexpertisen sei und längere Überdeckungen zu teuer seien.

Im Rahmen der Vernehmlassung vor dem Bundesgericht liess das Umwelt Forum in Zusammenarbeit mit dem Pro Amt Lösungskonzepte erarbeiten, welche mit mehr Autobahnüberdeckungen eine Verbesserung unserer Atemluft um 50% bewirken würden.

1300 Wettswiler/innen und Bonstetter/innen unterstützen in einer Luftpetition an den Regierungsrat diese Lösungskonzepte. Wir machten dabei auch geltend, dass alleine die direkten Gesundheitskosten – geschätzt durch einen Luftfachmann – bei Inbetriebnahme der Autobahnen wie heute geplant Fr. 400.- pro Jahr und Person ausmachen würden. Die Baudirektion wies diese Verbesserungsvorschläge mit fadenscheinigen Argumenten zurück.

 

Beispiel: Optimierungsvariante III (gelb = verbleibende offene Streckenabschnitte)

Was können wir noch tun?

Nun haben wir dank der Unterstützung einer unermüdlichen Politikerin, Frau Nationalrätin Vreni Hubmann, eine wohl letzte Chance bekommen. In einer Motion mit dem Titel "Keine weiteren Umweltsünden" fordert Sie vom Bundesrat die Überprüfung der Umweltverträglichkeitsprüfung A4 und den Einbezug der Messergebnisse der Firma Ökoscience. Die Motion wurde am 17. April 2002 eingereicht und soll voraussichtlich in der Sommer oder Herbstsession behandelt werden.

Mit Annahme dieser Motion hätten wir nochmals eine letzte Chance, dass jetzt - und nicht erst in 30 Jahren - die Tunnelenden verlängert und die schadstoffbefrachtete Luft mittels der bestehenden Abluftkamine in höhere Luftschichten gestossen würden. Positiver Nebeneffekt für uns alle: weniger Lärm und mehr unverbaute Landschaft.

 

Beispiele von nachträglichen, aufwändigen und kostenintensiven Überdachungen und Korrekturen wie in Altendorf, Neuenhof, Roveredo, Schwammendingen, Glattbrugg, Entlisberg usw. zeigen: Wir wollen nicht 30 Jahre dafür kämpfen, wenn das Sinnvolle und Vernünftige mit viel geringeren Kosten heute gebaut werden kann.

Schreiben Sie noch heute an Herrn Bundesrat Moritz Leuenberger, Bundeshaus Nord, 3003 Bern, und bitten Sie ihn, dass er sich für eine Unterstützung der Motion von Frau Hubmann und für mehr Überdeckungen ausspricht.

Nutzen wir diese einmalige Chance für uns und die kommenden Generationen - die Zukunft wird uns Recht geben!

Verena Berger

PS: Weitere Informationen und eine Broschüre mit den vier Optimierungsvarianten erhalten Sie unter Telefon 01 700 30 79 - oder schauen Sie doch einfach im Internet unter www.ufw.ch oder www.pro-amt.ch nach.

 Kontakt: info@ufw.ch
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